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Farben, Tempel und Begegnungen

Eine 18-tägige Reise führte uns durch die faszinierende Vielfalt Südindiens – von den monumentalen Tempelanlagen in Tamil Nadu über Teeplantagen in den Hügeln von Munnar bis zu den palmengesäumten Backwaters in Kerala. Begleitet von einem engagierten Reiseleiter erlebten wir eindrückliche Begegnungen, farbenfrohe Märkte, lebendige Rituale und die herzliche Gastfreundschaft der Menschen.

Aller Anfang ist schwer. Mit etwa vierstündiger Verspätung wegen technischer Probleme hat unser Flugzeug gegen Mitternacht Richtung Delhi abgehoben und nach einem angenehmen Flug sind wir drei Stunden später als geplant in Delhi angekommen. Wir, eine Gruppe von vier Personen im besten Rentenalter, haben diese Reise gemeinsam unternommen. Zwei von uns waren vor über vierzig Jahren schon einmal in Indien herumgereist, allerdings auf wenig komfortable Art im ÖV mit Rucksack.

 

Bei der Ankunft sahen wir bald das Schild mit unserem Namen und den dazu gehörenden Reiseleiter. Wir starteten direkt zu einer Stadtbesichtigung durch New-Delhi und genossen die Fahrt trotz unglaublich viel Verkehr auf den Strassen. Es gibt so viel zu sehen am Strassenrand, seien es Garküchen, kleine Shops, Parkanlagen, Villen und Monumente. Unversehens waren wir beim Qutub Minar, einer grossen, ehemaligen Tempelanlage mit hinduistischen und islamischen Bauwerken, und kamen in den Genuss einer interessanten Führung durch unseren Reiseleiter Amit, der ausgezeichnet Deutsch spricht.

Im Hotel angekommen bezogen wir unsere Zimmer, eines davon roch leider intensiv nach Schimmel. Da wir nicht sicher waren, ob dies dem indischen Standard entspricht, und wir zudem unterdessen müde waren, beschwerten wir uns nicht, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellte, da sich der Schimmelgeruch in unserem Gepäck festsetzte.

Von nun an gings bergauf. In Agra, wo wir den zweiten Tag verbrachten, bezogen wir ein sehr schönes Zimmer ohne Schimmelgeruch. Dadurch konnten wir den Ausflug zum Taj Mahal, das vielen als schönstes Gebäude auf Erden gilt, in vollen Zügen geniessen. Besonders reizvoll war, dass das Taj Mahal zu Beginn im smogartigen Nebel kaum sichtbar war, später dann von der Sonne angestrahlt wurde. Hier genossen wir auch unseren ersten Chai in Wegwerf-Tonbechern. Nach Besuch des Red-Forts und Übernachtung in Agra fuhren wir am nächsten Tag zurück zum Flughafen Delhi und flogen weiter nach Chennai, dem ehemaligen Madras.

Nach einer angenehmen Nacht und feinem südindischen Essen kämpften wir uns durch dichten Verkehr nach Kanchipuram, um die Tempelanlage Varadharaja Perumal, einen dem Gott Vishnu geweihten Tempel anzuschauen. Mit grosser Sachkenntnis führte uns Amit in die Götterwelt Indiens ein. Wir wurden gar von einem Brahmanenpriester gesegnet und hatten fortan einen roten Strich auf der Stirn. Beeindruckend ist, dass die Tempel stets von vielen Gläubigen besucht werden. Es ist ein unglaublich farbiges Bild. Überall brennen Öllämpchen, man hört Rezitationen, Musik und Gerüche und alle Sinne werden angesprochen. Ein Paradies für das Fotografenherz.

Amit ist immer auf unsere Wünsche und Bedürfnisse eingegangen. So wollten wir etwa nicht maximal viel anschauen, sondern die Sehenswürdigkeiten in einem gemächlicheren Tempo besuchen, so dass sich die vielen Eindrücke besser setzen konnten. Wir genossen es, nach einer Sehenswürdigkeit wieder in den geschützten Rahmen des Minibuses einsteigen zu können, um in Ruhe die Eindrücke zu verarbeiten. Auf den Fahrten durch meist dichtesten Verkehr hat uns Amit viel über Kultur und Alltag Indiens erzählt, über Veränderungen und Anstrengungen, welche die Regierung unternimmt, um das Leben der bald 1.5 Milliarden Einwohner Indiens möglichst lebenswert zu gestalten. Wir konnten ihm Löcher in den Bauch fragen und bekamen immer differenzierte und ehrliche Antworten. Auch wie seine Familie selbst mit den beiden Polen zwischen Tradition und Moderne umgeht, hat er uns nähergebracht. Tatsächlich scheint sich seit unserem letzten Besuch vor 42 Jahren sehr viel zum Guten verändert zu haben. Viel wurde und wird in Infrastrukturprojekte investiert. Untergrundbahnen, Hochbahnen und Schnellstrassen wurden und werden gebaut, der einzige Weg aus dem Verkehrschaos der riesigen Städte. Wenn wir Amit grad nicht mit Fragen löcherten, schauten wir aus dem Fenster und liessen das bunte Indien an uns vorbeiziehen, oder wir nutzen gar die Zeit für ein erholsames Nickerchen.

Der sympathische Fahrer des Minibuses, der uns auf der ganzen Reise im Süden chauffierte, lenkte sein Fahrzeug souverän. Er fuhr zügig und nutzte jeden Zentimeter aus, um im Gewühl vorwärts zu kommen. Sein Fahrstil hat uns nie beängstigt, wir haben uns im Auto immer sicher gefühlt.

Auch der Fahrer hat rasch verstanden, was wir gerne sehen. So hat er auf einem wunderschönen Markt auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit einen Zwischenstopp eingelegt, so dass wir die Pracht der Früchte, Gemüse und weiterer Waren samt Händler/innen geniessen und fotografieren konnten.

Nach Besuch der Tempelanlage in Tanjore begaben wir uns in ein Restaurant, wo das Essen auf Bananenblättern serviert wird und man ohne Besteck mit der rechten Hand isst. Laut Amit schmeckt das Essen so besser. Für uns war es etwas ungewohnt, aber es hat tatsächlich sehr gut geschmeckt.

Auf dem Weg nach Trichy legte Amit einen ausserplanmässigen Stopp ein, um uns die Amma Mandapam Gats zu zeigen – ein spezieller Ort, an dem sich Familien nach dem Tod eines Angehörigen versammeln, um dem oder der Verstorbenen zu gedenken. Von Trauerkundgebungen, wie wir sie kennen, war wenig zu spüren, hingegen war ein Gewusel im Gange mit Musik, Rezitationen, rituellen Bädern im Fluss, Feuerzeremonien – ein wunderbarer Ort, um schöne Fotos anzufertigen und sich der Stimmung zu ergeben.

Ein Höhepunkt in Sachen Tempelanlagen bildet Trichy, bei der sieben konzentrische Mauern um das heilige Zentrum herum gebaut sind und man sieben Gopurams (kegelartige Türme mit unendlich vielen Götterstatuen) in einer Reihe von einer Aussichtsplattform aus bewundern kann.

Auf der Weiterfahrt haben wir eine Bronzegiesserei besucht. In der kleinen Manufaktur wurde uns der Prozess des Bronzegusses erklärt und vorgeführt, von der Wachsfigur, über die Negativform aus hitzeresistentem Tongemisch, über das Wegschmelzen des Wachses bis hin zum Füllen der Negativform mit flüssiger Bronze, konnten wir sämtliche Schritte der manuellen Herstellung verfolgen. Selbstverständlich liessen wir es uns nicht nehmen, eine schöne handgegossene Shiva-Statue zu erwerben.

In Mahabalipuram angekommen, besuchten wir eine grosse Tempelanlage mit Höhlentempeln und weiteren Sakralbauten mit Steinfiguren als Flachreliefs aus riesigen Monolithen herausgemeisselt.

Nicht fehlen auf unserer Tour durfte ein Besuch von Auroville in der Nähe von Pondicherry. Es handelt sich um eine futuristische Stadt, die in den Siebzigerjahren von Sri Aurobindo gegründet wurde, mit der Idee, durch die starke Gemeinschaft der Bewohner zum Weltfrieden beizutragen. Ein hehres Unterfangen, das auch heute mehr als nötig ist. Nach vorbereitendem Lesen über Auroville waren wir etwas enttäuscht, wie wenig man von der Stadt selbst mitbekommt. Interessanter war dann schon Pondicherry mit einem schönen Quartier aus Häusern im französischen Stil. Hier sind sogar die Strassen mit Schildern versehen wie «Rue de St. Louis» und dem Pendant auf Malayam, der Sprache in Tamil Nadu, geschrieben. Auch ein schöner Strand liegt gleich nebenan, der von vielen indischen Touristen besucht wird, die es geniessen, dem Ufer entlang zu flanieren.

Nach einer Übernachtung in einem schönen Hotel ging es weiter nach Madurai, wo wir den Palast besuchten. Neben der Schönheit der Architektur wurde der Palast gerade durch mehrere Schulklassen besucht, was zu einer lebhaften und heiteren Stimmung beitrug.

Bei der nächsten Sehenswürdigkeit, dem Minakshi Tempel, waren leider sämtliche Gopurams zwecks Renovation eingerüstet, so dass man die vielen Gottheiten nicht sehen konnte. Andererseits waren die Baugerüste sehenswert, bestehen sie doch aus Bambusstangen, die mit Kokosseilen zusammengebunden sind.

Weiter ging die Reise Richtung Munnar, wo wir eine Teeplantage besuchten. Hier konnten wir dem Prozess des Pflückens, übers Trocknen rsp. Fermentieren, bis zum Aussortieren nach Grösse und Abpacken folgen. Wir besichtigten im Weiteren eine Kautschuk-Plantage, sowie einen Heilkräutergarten zur Gewinnung von Inhaltsstoffen für ayurvedische Medizin.

Nach einer Übernachtung im hügeligen Munnar Teegebiet fuhren wir nach Alleppey zum Highlight unserer Reise. Dort bestiegen wir ein Hausboot, dessen Kabinen mit allem Komfort ausgerüstet waren und das uns gemächlich durch die Kanäle der Backwaters kutschierte. Die palmengesäumten Backwaters stellen ein Kanalsystem hinter der Meeresküste dar. Früher dienten sie dem Transport von Waren, heute liegt der Schwerpunkt auf Tourismus. Nach dem Mittagessen an Bord legte das Boot los, und auf weichen Sesseln und Sofas unter dem Schattendach zog eine traumhaft schöne Landschaft an uns vorbei. Nach dem Umstieg auf ein kleineres Boot konnten wir auch engere Kanäle erkunden und dem Leben der Einheimischen zuschauen. Zurück auf dem Hausboot wurde uns ein Zvieri und später das Abendessen serviert und in der Kabine mit Dusche/WC und Klimaanlage liess sich wunderbar schlafen.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück verliessen wir das Boot und fuhren die kurze Strecke nach Cochin, wo wir die nächste Nacht verbrachten. Nach Bezug eines sehr schönen Zimmers und etwas Ausruhen begaben wir uns auf eine Stadtbesichtigung. Eine Synagoge, eine Kirche und der Strand mit den berühmten Fischergalgen standen auf dem Programm. Da unser Fahrer in Cochin wohnte, konnte er uns bestens Empfehlungen abgeben für gute Restaurants. Vor dem Abendessen besuchten wir noch eine Kathakali Show, ein Tanz, bei dem alle Emotionen per Mimik und Gestik zum Ausdruck gebracht werden.

Die letzte Etappe in Südindien führte uns zum Marari Beach, wo wir uns vor der Rückreise für drei Tage ausruhen konnten. Auf der Fahrt dorthin machten wir aber noch einen Stopp bei einer Familie, die für uns ein feines Mittagessen zubereitete und wir beim Kochvorgang zuschauen konnten. Nach einem wunderbaren Essen begaben wir uns anschliessend in eine Kokosmanufaktur, wo uns der Prozess von Ernten der Nüsse, über Gewinnung der Kokosfasern, bis hin zum Herstellen von Seilen aus den Fasern und dem Weben von Teppichen demonstriert wurde. Danach genossen wir die Erholung im Wellnesshotel mit feinem Essen, Schwimmen im Pool, Spazieren am Strand und einer Ayurveda-Massage.

Früh um 7 Uhr wurden wir von einem Bus abgeholt und zum Flughafen Cochin gebracht. Als Verpflegung für unterwegs erhielten wir eine Picknickbox. Nach einem rund dreistündigen Flug landeten wir in Delhi und übernachteten im selben Hotel wie zu Beginn der Reise. Diesmal erhielten wir ein anständiges Zimmer, das nicht nach Schimmel roch. Da wir bereits am frühen Nachmittag in Delhi waren, erkundeten wir noch Old-Delhi auf eigene Faust. Unser Reiseleiter Amit hatte uns Angaben gemacht, wie wir mit der Metro am besten nach Old-Delhi gelangten. Nach etwas Schwierigkeiten mit dem Ticketautomaten konnten wir die nötigen Tickets lösen und gelangten im Nu zu unserem Ziel, dem Zentrum von Delhi. Wir tauchten ein in einen tumultösen muslimischen Markt, der auf einer langen Strecke vor einer Moschee eine unendliche Zahl von Marktständen aufwies. Zum Glück waren wir vom Strand her ausgeruht, so dass wir den Trubel gut überstanden. Obwohl wir auf unserer Reise an vielen Orten Restaurants aufs Gratwohl besuchten und mit der Qualität des Essens immer gute Erfahrungen machen konnten, sahen wir doch davon ab, in Old-Delhi zu essen. Zu schmutzig war es uns hier. Deshalb nahmen wir die Metro zurück zum Hotel und assen dort.

„Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die Freundlichkeit der Menschen und ihre strahlenden Gesichter. Auch in ärmeren Gegenden fühlten wir uns sicher. Wir genossen die Vielfalt der südindischen Küche und schätzten die Flexibilität und perfekte Organisation des Vögele-Teams – so reisen zu können ist einfach wunderbar.“

Ein Reisebericht von Christian S.

Unser Kunde Christian S. war vom 01.02. - 18.02.2026 mit persönlicher, privater Reiseleitung in Südindien unterwegs.

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