«Albanien verfügt über grosses Potenzial!»

Ihr Name deutet es an: Für Ivana Habijanovic ist der Balkan mehr als eine Destination. Denn die Product Managerin ist kroatisch-schweizerische Doppelbürgerin. Doch ihr Herz schlägt für den ganzen Balkan. Mit gutem Grund! Im Interview spricht sie über den Reiz einer Balkan-Reise, den soziokulturellen Wandel und ihre Lieblingsorte.

Du bist hier geboren und aufgewachsen, hast aber kroatische Wurzeln. Was bedeutet Kroatien für dich?

Schon als Kind verbrachte ich meine Sommerferien in Kroatien. Das hat sich bis heute nicht geändert. Doch Kroatien ist für mich weit mehr als ein Reiseziel. Denn ich fühle mich nicht nur als Schweizerin, auch Kroatien bedeutet für mich Heimat – dank meinen Eltern. Ihre Liebe zum Land teile ich heute voll und ganz.

Wie hat sich Kroatien seit deiner Kindheit verändert?

Aufgrund der geschichtlichen Ereignisse hat sich nebst Kroatien der ganze Balkan grundlegend verändert. Auch der Tourismus hat sich stark weiterentwickelt. Heute punktet Kroatien mit einer grossen Vielfalt an Unterkünften – vom charmanten Boutique-Hotel bis zur Nobelherberge. Auch die Servicequalität hat einen bemerkenswerten Wandel durchgemacht. Nicht verändert hat sich hingegen mein positives Gefühl, wenn ich in Kroatien bin.

Obschon ich die Antwort auf die nächste Frage schon zu kennen glaube, stelle ich sie: Welches der Balkan-Länder ist für dich als Destination die Nummer 1?

Kroatien! (lacht). Zugegeben: Ganz unvoreingenommen ist meine Beurteilung nicht. Allerdings möchte ich zu meiner Verteidigung sagen, dass der Tourismus in Kroatien eine lange Tradition hat und deshalb einen hohen Standard und viel Abwechslung bietet. Baden, Kulturtourismus, Aktiv-, Wander- und Segelferien – für all dies bietet sich Kroatien geradezu an.

Was fasziniert dich an den anderen Ländern?

Mazedonien und Albanien bilden quasi den Schnittpunkt zwischen Ost und West, wodurch die zwei Länder über eine grosse kulturelle Vielfalt verfügen. Ein weiterer Pluspunkt ist deren Ursprünglichkeit. Im Gegensatz zu Kroatien sowie Slowenien – ebenfalls ein wunderschönes Reiseziel – interessiert sich der Tourismus noch nicht lange für die beiden Länder. Albanien ist nun aber im Kommen, was mich nicht erstaunt. Denn das Land verfügt über grosses Potential!

Während der Hoxha-Diktatur fühlte sich Albaniens Bevölkerung jahrzehntelang von der Welt abgeschnitten. Es heisst, die Menschen seien daher besonders gastfreundlich. Stimmst du dem zu?

Auch wir wurden mit offenen Armen empfangen. Die jüngere Generation spricht übrigens sehr gut Englisch. Aufgrund ihrer offenen und interessierten Art fühlten wir uns in Albanien sehr willkommen. Wegen der langen Isolation ist Albaniens Tourismusstandard weniger hoch als beispielsweise in Slowenien oder Kroatien; doch dies machen die Einheimischen mit viel Herzblut und Charme wieder wett. Naturliebhaber, Kultur- und Geschichtsinteressierte kommen hier jedenfalls zweifelslos auf ihre Kosten.

Welche Orte auf dem Balkan sind dir besonders ans Herz gewachsen?

Ein traumhafter Flecken Erde stellt für mich der Ohrid-See in Mazedonien dar. Auch das osmanisch geprägte Berat zählt zu meinen Favoriten. Hier fühlt man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt und isst sehr lecker. Doch auch Serbiens pulsierende Hauptstadt gefällt mir sehr! Belgrad strotzt nur so vor kreativem Eifer und Tatendrang. Zum Schluss dürfen natürlich auch meine zwei kroatischen Lieblingsorte nicht fehlen: Zadar, wo ein Spaziergang entlang der Strandpromenade für mich einfach zum Sommer gehört sowie Opatija. Der Glanz des einstigen Adel-Kurorts ist immer noch spürbar, weshalb für meinen Mann und mich klar war: Hier wollen wir uns das Ja-Wort geben.

Trotz vieler Vorzüge hat der Balkan als Reiseziel immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen...

Ja, dem ist leider so. Doch laut den Rückmeldungen unserer Kunden kehren sie glücklicherweise ohne diese zurück – allerdings mit vielen Erinnerungen an aussergewöhnliche Reiseerlebnisse. Somit bin ich zuversichtlich, dass selbst hartnäckige Klischees im Laufe der Zeit als solche wahrgenommen werden.

Markus Fleischli, Texter

Weiterempfehlen: