Auge in Auge mit den sanften Riesen

Ein Gorilla-Trekking zählt für viele zur Reise-Kategorie «Once In A Lifetime». Eine Erfahrung also, die man im Leben nur einmal macht und nie mehr vergisst. Ganz meine Meinung!

Die Morgendämmerung schält sich aus der tiefschwarzen Nacht und ein zaghaftes Blau lässt am Himmel das funkelnde Firmament wie ein schöner Traum verblassen. Die Geräusche des nächtlichen Dschungels weichen Vogelgezwitscher und die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch das noch vorwiegend im Schatten liegende Tal des Bwindi Impenetrable Nationalsparks. Irgendwo dort unten seid ihr, denke ich vor dem Steilhang stehend. Und wir werden euch finden! Während Nebelschwaden die überwucherten Abhänge hochkriechen, lässt ein Dunstschleier die üppig grüne Hügellandschaft weiter unten im Tal wie gemalt erscheinen und ich kann die sich am Horizont auftürmenden Vulkankegel des Virunga-Massivs eher erahnen als sehen. Doch egal wie virtuos Mutter Natur hier am Werk gewesen ist, die spektakuläre Landschaft stellt am heutigen Tag bloss die Kulisse dar. Im Fokus stehen heute die vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Der Bwindi Impenetrable Nationalpark ist eines ihrer letzten Refugien. Schätzungsweise gibt es in Afrika nicht mal mehr tausend dieser Primaten. Die Hälfte davon lebt in Uganda. Mein Herz klopft vor Freude und Aufregung wie eine Buschtrommel. «Das Briefing beginnt. Kommst du?» reisst mich die Stimme meines Bruders aus meinen Gedanken.

Tracker nehmen Fährte auf

Im Wildhüter-Camp erwartet uns trotz früher Morgenstunde eine ausgelassene Stimmung. Nebst den anderen fünf Mzungus (Weisshäutige) scheint auch Joseph, unser Ranger-Guide der Begegnung mit den Gorillas entgegen zu fiebern. «Seit meinem ersten Trekking vor drei Jahren hat meine Faszination für diese erhabenen Lebewesen kein bisschen abgenommen – im Gegenteil!» sagt er und bestätigt meinen Eindruck. Während er über seine knapp zwanzig Schützlinge der Nkuringo-Gruppe spricht, strahlt er übers ganze Gesicht. Derzeit leben 17 habituierte, also an den Menschen gewöhnte Familien in Uganda. Zum Schutz der Gorillas zählt jede Trekkinggruppe maximal acht Personen und die Genehmigungen sind streng reglementiert. Die Einnahmen fliessen sowohl in den Artenschutz als auch in Infrastrukturen wie Schulen in der Umgebung.

Während wir lernen, wie man sich in der Gegenwart der bis zweihundert Kilogramm schweren und teilweise über zwei Meter grossen Muskelpakete zu verhalten hat, durchstreifen mit Funkgeräten ausgestattete Tracker bereits den Regenwald. Die Fährtenleser suchen erst das Nachtlager der Primatengruppe und nehmen von dort dann die Fährte auf. Berggorillas bauen nämlich jede Nacht ein Nest. Welche Trekking-Gruppe sich zu welcher Primatenfamilie aufmacht, hängt auch von Kondition und Alter der Teilnehmer ab.

Das Abenteuer beginnt!

«Wünscht jemand noch einen Träger?», fragt Joseph und signalisiert damit, dass es Zeit ist aufzubrechen. Endlich! Auf Jeeps geht's zu einem steilen Abhang, der in den Park führt. Die Socken gegen angriffslustige Feuerameisen über die Hosen gezogen und die Hände mit Gartenhandschuhen vor Dornen geschützt, folgen wir Joseph – flankiert von zwei bewaffneten Wildhütern. Jeder führt eine AK 47 mit sich. Im Notfall geben sie damit einen Schuss in die Luft ab, um beispielsweise aggressive Waldelefanten zu verjagen. Nach den gestrigen Regenschauern ist der Untergrund glitschig und wir nähern uns der Ebene des Bwindi Impenetrable Nationalsparks nur langsam. Wie wir gleich merken werden, hält der Name des Parks, was er verspricht. Denn «bwindi» bedeutet in der lokalen Sprache der Lukiga dasselbe wie das englische Wort «impenetrable»: undurchdringlich. Nach gut einer Stunde ist der Abstieg geschafft. Kritisch beäugt mein Bruder den Abhang und scheint den kaum noch sichtbaren Ausgangspunkt zu suchen. Da er lieber Sport schaut als macht, weiss ich, was er denkt. Was wir beide aber nicht wissen, ist, dass uns der bevorstehende Rausch an Glücksgefühlen wie ein kräftiger Rückenwind auf dem Weg zurück begleiten wird.

Mit der Machete ans Ziel

Nachdem bis anhin ansatzweise ein Weg zu erkennen gewesen ist, versperrt uns im Tal ein grünes Bollwerk aus Dornenbüschen, Schlingpflanzen und Lianen das Weiterkommen. Mit je einer Machete schlagen die Wildhüter eine Schneise durch das Dickicht. Langsam aber stetig stapfen und stolpern, schliddern und glitschen wir über den vom Regen getränkten Boden, balancieren auf Baumstämmen über Bäche und kraxeln Anhöhen hoch. Mittlerweile bin ich nassgeschwitzt und seit wir uns durch den Urwald kämpfen hat mein Herz mindestens zwei Gänge zugelegt. Nichtsdestotrotz liegt mein Fokus nur auf den Gorillas. Als würde ich sie mit einem Fernrohr anvisieren und alles ausblenden, was uns links und rechts auf dem Weg zum Ziel aufhalten könnte.

Adrenalin-Welle spült Strapazen weg

Wie das stetig lauter werdende Rauschen ankündigt, führt die ins Gestrüpp und Gehölz geschlagene Schneise zu einem Bach. Als ich aus dem Halbdunkel des Waldes in die Sonne trete, muss ich blinzeln. Und als sich meine Augen ans grelle Licht gewöhnt haben, sehe ich ihn: Ein ehrfurchteinflössender Silberrücken sitzt wie ein Mensch auf einem umgekippten Baumstamm, das eine Bein angezogen, das andere lässt er lässig über dem Wasser baumeln. Als hätte er nur darauf gewartet, bis wir kommen und ihn fotografieren! Der Prachtkerl ist jedoch nicht irgendein Silberrücken, sondern der Silberrücken: kräftiger, grösser – der Anführer des Nkuringo-Clans. Aufgrund des silbern glänzenden Fells auf ihrem Rücken tragen ausgewachsene Männchen diesen Beinamen. Wir nähern uns «Safari», wie das dominante Männchen heisst, bis auf sieben Meter. Alle sind sprachlos und überwältigt. Er hingegen scheint uns weniger beeindruckend zu finden. Ohne wirklich Notiz von uns zu nehmen, verzieht sich das Oberhaupt schliesslich in den Wald am anderen Ufer. Eine Welle aus Adrenalin durchflutet unsere Körper und wir heften uns wieder hellwach an seine Fersen. Auf der anderen Seite des Baches erwartet uns etwas verstreut die halbe Familie inklusive Gorillababy. Eine Stunde dürfen wir bei ihnen verbringen und sie beim Spielen, Kuscheln, Balgen und Essen beobachten. Obschon das Erbgut der Berggorillas zu knapp 99 Prozent mit jenem der Menschen übereinstimmt, staune ich darüber, wie ähnlich sie uns in ihrem Verhalten sind. Als die sechzig Minuten schon bald vorüber sind, präsentiert sich «Safari» nochmals. Keine Spur mehr von Desinteresse! Aus mehreren Meter Distanz blickt er mir nun direkt in die Augen. Ohne den Blick abzuwenden und vor Kraft und Potenz nur so strotzend, stolziert er schnurgerade auf mich zu. Ein erneuter Adrenalinschub aktiviert meinen Kampf-oder-Flucht-Modus. Dennoch bleibe ich wie hypnotisiert stehen, bis der Leithammel wenige Handbreiten vor mir innehält. Und für einen Augenblick bleibt mein seit dem Aufstehen immer heftiger trommelndes Herz stehen. Was für eine Erfahrung!

Markus Fleischli, Texter Vögele Reisen



Uganda – Afrikas grüne Perle
Nebst Gorilla-Trekkings bietet Uganda weitere Reiseerlebnisse der Extra-Klasse: So lockt im Westen des ostafrikanischen Landes noch eine nicht minder faszinierende Primatenart: die Schimpansen – unsere nächsten Verwandten. Rund 1400 dieser gewieften Kerle leben mit zwölf anderen Primatenarten im Kibale Forrest. Die Schimpansen-Trekkings (Dauer ca. drei Stunden) sind weniger anstrengend, bleiben aber zweifellos ebenfalls unvergessen. Obschon ihm Gorilla und Schimpanse den Rang ablaufen, kommt er auch in Uganda vor: der König der Tiere – der Löwe. Dass auch er Talent zum Klettern hat, können Sie während einer Safari im Queen Elisabeth Nationalpark beobachten, wo er sich gerne auf Baumästen ausruht. Nebst weiteren Raubkatzen sind in Ugandas Nationalparks unter anderem auch Elefanten, Giraffen, Hyänen, Büffel und Nilpferde heimisch. Überdies gilt das Land als Afrikas Vogel-Hochburg. Uganda ist allerdings nicht nur ein Tier-, sondern auch ein Naturparadies: So ist die Landschaft vielerorts von atemberaubender Schönheit! In seinen Reiseaufzeichnungen hat schon Winston Churchill das im Herzen Afrika gelegene Land als «grüne Perle» betitelt. Tatsächlich ist sie das! Eine Reiseperle, die aber auch mit der Weite der Savanne sowie gastfreundlichen Menschen glänzen kann und abseits des Massentourismus viel unverfälschtes und ursprüngliches Afrika bietet.

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