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Reisetipp – Südengland

Das britische Sahnehäubchen oder: Britische Beauty

Man muss kein Pilcher-Fan sein, um Südengland zu lieben. Die Region ist romantisch schön aber auch bezaubernd vielseitig. Liebliche Gärten heben sich ab von rauen Landschaften, tosende Küsten von stillen Mooren, alte Königsschlösser von lebendigen Studentenstädten.

Am Fünf-Uhr-Termin gibt es nichts zu rütteln. Mögen die Einkäufe noch so wichtig sein, das Buch noch so spannend, die Kinder noch so fordernd; für ihre Tea Time entziehen sich die Einheimischen in Südengland einen Moment lang dem Rauschen der Welt. Fröhlich plaudernd setzt man sich in bequeme Sessel an kleine Tische, nippt am Schwarztee mit Milch und führt sich genüsslich lauwarme Scones zu Gemüte. «Cream Tea» wird die gepflegte Auszeit in den Grafschaften Cornwall und Devon genannt. Mit ihren satten Wiesen sind sie Milchstuben des Landes, und hier hat die herrlich dicke, leicht säuerliche Clotted Cream ihren Ursprung. Ob diese nun vor oder nach der Erdbeer-Konfitüre auf die Scones gehört, ist fast ein Politikum. Dass Tee und Scones den Nachmittag in ein vorher und nachher teilen, ist jedoch klar. Cream Tea ist eine Institution, ein Kulturgut mit mehr als 300 Jahren Tradition.

Im Weekend-Palast der Queen

In wenigen Regionen der Welt fühlt sich Tradition so charmant und lebendig an wie in Südengland. Das Land ist getränkt von Geschichte und Mythen, gezeichnet von in Jahrhunderten geformten, perfekten Pärken und wilden, rauen Landstrichen. Wer sich durch die kleinen Dörfer treiben lässt, durch die Gassen zwischen mittelalterlichen Steinhäusern schlendert, hört die Mauern fast flüstern. Andernorts spricht die Geschichte gut hörbar und mit britischem Akzent - quicklebendige Lords, die man mit etwas Glück in manchen alten Herrenhäusern kennenlernt, oder Einheimische, die sich beim sonntäglichen Cricketspiel unterhalten. Die Vergangenheit fliesst ins Heute über. Sie hat nicht viel weggefegt in alten Landhäusern wie dem Mompesson House im schmucken Salisbury, dem Osborne House auf der Isle of Wight oder dem Schloss Windsor. Das Schloss Windsor, das grösste und älteste durchgehend bewohnte Schloss der Welt, ist einer der drei Hauptsitze der englischen Krone und wird vom königlichen Haushalt verwaltet. Besucher wandeln hier in der Wochenendresidenz der Queen – und vieler Könige vor ihr in der tausendjährigen Geschichte des Anwesens.

Tausend Jahre scheinen jedoch fast jung, betrachtet man ein anderes fesselndes Zeitzeugnis der Region. Stonehenge, das prähistorisches Steinmonument, ein Kunstwerk im weiten Grün, dessen Geheimnis bis heute nicht eindeutig gelüftet wurde. Bis zu 25 Tonnen wiegen die im Kreis angeordneten Steinriesen, die stumm und mächtig Wind, Wetter und den Jahrhunderten trotzen. Eine alte Kultstätte? Eine Tempelanlage oder ein Friedhof? Ein gigantisches astronomisches Observatorium? Die Spuren der neueren Zeit wurden hier in den vergangenen Jahren zurückgebaut, so dass das Erlebnis, sich dem mystischen Werk zu Fuss zu nähern, durch nichts mehr abgelenkt wird. Und so kreisen die Gedanken an Menschen aus viel früherer Zeit, ihre Geschichten, ihren Glauben und ihre Visionen.

Die Landschaften von Romanhelden

Das schöne Gefühl durch die Zeit zu spazieren, bietet auch die gewaltige Natur an sich. Weite, grüne Wiesen, steilabfallende, weisse Klippen, beeindruckende, mächtige Strände an denen das Meer tost, sanfte Hügel und alte Wälder. Es gibt unzählige Wanderwege, aber schöne Spaziergänge sind von jedem Städtchen aus möglich. Die Landschaften sind bezaubernd wie in den Verfilmungen der Rosamunde Pilcher Romane. Sie war in dieser Region zu Hause, hat sich von ihr inspirieren lassen. Nicht nur sie: Auch Agatha Christie, Charles Dickens, Jane Austen und Virginia Woolf haben sich in Südengland niedergelassen. Vielleicht wirkt die Gegenddeshalb so poetisch, weil sie an Romanhelden und tragische Liebesgeschichten erinnert. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass sie solchen Geschichten den Boden gab. Wer gegen den Wind zum Meer zieht, Wiesen mit Schafen überquert und den Blättern uralter Bäume zuhört, sieht und spürt die gleiche Kraft und Ruhe, die bereits die Menschen im Viktorianischen Zeitalter erlebten. Das Landschaftsbild hat sich an vielen Orten nicht wesentlich verändert, nur die Natur hat mit ihren Kräften gewirkt.

Selbst da wo die Umgebung von Menschenhand geformt und gestaltet wurde, schwingt Geschichte mit. Südengland ist bekannt für seine wundervollen Gärten und Pärke, die mit ihrer lieblichen Charakter im Kontrast zur wilden Natur stehen. Ein schönes Beispiel ist der Nymans Garden. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1880 zurück. Nicht weniger eindrücklich, wenn auch neu, ist das Eden Project bei Plymouth, das 2001 eröffnet wurde. Es hat eines der grössten Gewächshäuser überhaupt und diente – very britisch - auch schon James Bond als Kulisse. Unberührter, aber doch typisch englisch, ist der Dartmoor Nationalpark, der mit Mooren, Wasserfällen und kleinen Weilern eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt.

Die Badewanne Englands

Doch so historisch und traditionell Südengland in vielem ist, so lebendig und modern sind seine Städte. Das wunderschöne Bath mit seinen römischen Bädern zum Beispiel, ist nicht nur ein Kurort, sondern auch eine Universitätsstadt. Auch Exeter, dessen Fluss für romantische Schifffahrten einlädt, ist bei Studenten beliebt. Am quirligsten aber ist Brighton, auch liebevoll die Badewanne Englands genannt. Ihr historischer Pier am Strand, das grösste Seebad des Landes, interessante Festivals sowie trendige Kaffees, Bars und Top Restaurants versprühen Lebensfreude und mischen Altes gekonnt mit Neuem. Der schlechte Ruf der englischen Küche beispielsweise, ist hier längst überholt. Zwar werden die traditionellen Gerichte noch geehrt, aber sie werden überraschend weiterentwickelt und sehr zeitgemäss interpretiert. Ausser beim Cream Tea,versteht sich.


Reisetipp von Domenica Jossi (11.05.2017)

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Palladianischer Torbogen in Bath

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