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Revolution auf Schienen

Im Fernen Osten bricht ein neues, aufsehenerregendes Eisenbahnzeitalter an. Schon heute werden auf Teststrecken Geschwindigkeiten von über 600 Stundenkilometer erreicht. China tüftelt indes an einer Vakuum-Bahn, die Flugzeugen davon düsen soll.

Der schnellste Zug der Welt – Ende der 1980er Jahre war das der deutsche ICE. Kurze Zeit später überholte ihn jedoch der TGV, dessen Name auf bestimmten Strecken immer noch Programm ist. Der train à grande vitesse (Zug mit hoher Geschwindigkeit) rast mittlerweile aber nicht mehr als schnellster über die Geleise. Asiens Zugbauer drücken seit Jahren aufs Tempo und haben dem TGV den Superlativ längst streitig gemacht. So ist insbesondere in Japan und China, aber auch in Südkorea die Zukunft des Zugverkehrs teilweise schon Gegenwart.

Aktueller Rekordhalter: Japans Shinkansen

Nach ihm kann man die Uhr stellen: Der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen ist zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Sollte er dennoch mal eine Verspätung einfahren, wird diese nicht in Minuten angegeben, sondern in Sekunden. Fast lautlos gleitet er in den Bahnhof, das Boarding geht effizient und in geordneten Bahnen vonstatten und ehe man sich versieht und Platz genommen hat, nimmt er wie ein Pfeil schon das nächste Ziel ins Visier. Betritt das Zugpersonal ein Abteil, verbeugt es sich – stets mit einem Lächeln im Gesicht. Selbst in der einfachsten der drei Klassen lässt es sich bequem reisen. Mit der neuen Generation der Shinkansenzüge wird eine Bahnfahrt allerdings noch komfortabler. Und kürzer. Ab Mai 2019 flitzt der schnittige Prototyp ALFA-X erstmals durch Japan – mit 360 Stundenkilometer. Sein auffälligstes Merkmal: die 16 Meter lange Nase. Sie verringert sowohl den Luftwiderstand als auch den Lärm. Trotz der langen Nase hat in Bezug auf die Geschwindigkeit ein anderer Shinkansentyp die Nase vorn: der Maglev – eine Magnetschwebebahn. Sie erreichte auf einer Teststrecke eine Geschwindigkeit von 603 km/h. Weltrekord!

Chinas Zukunftszug – schneller als ein Flugzeug

Beim Tempo liefern sich Japan und China ein Kopf-an-Kopf-Rennen. So kann China mit dem schnellsten Zug, der bereits im kommerziellen Betrieb verkehrt, aufwarten: Der Transrapid Shanghai verbindet den Flughafen mit der Stadt und kann auf 430 beschleunigen. Stolz ist China auch auf den selbst entwickelten Highspeed- und Hightech-Zug Fuxing. Dieser brettert mit 350 Kilometer pro Stunde durchs Land der Mitte; angepeilt werden sogar 400 km/h. Die 1300 Kilometer lange Strecke zwischen Shanghai und Peking schafft er derzeit in lediglich viereinhalb Stunden. Fuxing heisst übersetzt in etwa so viel wie Erneuerung. Und genau das sieht Pekings Masterplan für die Eisenbahn vor. Chinas Ingenieure sind im Begriff, ein neues, furioses Eisenbahnzeitalter einzuläuten. In den vergangenen zehn Jahren hat China mehr Schienenkilometer gebaut als die SBB betreiben. Ausserdem plant China eine ultraschnelle Magnetschwebebahn, die – umhüllt von einer Vakuumröhre – 1000 Stundenkilometer erreichen soll und somit Passagierflugzeuge überholen könnte.

China, Japan, Südkorea – hier setzt man auf die Bahn als Verkehrsmittel der Zukunft. Einer der Gründe, warum sie auch in unserem Reiseprogramm nicht fehlen darf. Obendrein gewährt eine Zugfahrt immer auch einen Einblick in die Volksseele des jeweiligen Reiselandes.

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