Portugal

Am Ende Europas, am Tor zur Welt

Westlicher geht es nicht: In Portugal, am Cabo da Roca, hat das europäische Festland ein Ende und trifft auf den Atlantischen Ozean. Die geheimnisvollen blauen Weiten weckten im 15. Jahrhundert den portugiesischen Entdeckergeist. Eine Seefahrernation war geboren und schrieb über hundert Jahre Geschichte. Ersegelten die Portugiesen damals die Welt, entdeckt die Welt heute Portugal.

31. March 2020

Das kleine Land im Südwesten Europas glänzt mit landschaftlicher Vielfalt

Mit über 800 Kilometer langer Atlantikküste, malerischen Stränden und Felsbuchten. Mit fruchtbaren Tälern und blühenden Landstrichen. Dazwischen schroffe Gebirgsketten. Und wer das Festland verlässt, versinkt auf Madeira und den Azoren in ein von Vulkanen erschaffenes Naturparadies.

Zwei Metropolen im Wetteifer: Hier Lissabon, die offizielle Hauptstadt mit den prächtigen Avenidas und Plätzen; dort Porto, das als «heimliche Hauptstadt» gehandelt wird und Lissabon punkto Charme in nichts nachsteht. Viele weitere Städte im ganzen Land wurden von der UNESCO mit einem Titel beehrt.

Kultur muss nicht in Stein gemeisselt oder auf Leinwand gebannt sein. Prunkvolle Bauten und prächtige

Azulejos charakterisieren Portugal genauso wie der melancholische Fado, der süsse Portwein und die unzähligen Rezepte für das Nationalgericht Bacalhau (Stockfisch) – 365 sollen es sein, für jeden Tag eines.

Ein Hoch auf die Azoren

Neun Inseln, rund 1400 Kilometer vom europäischen Festland entfernt, umgeben vom weiten Atlantik: die Azoren sind ein Geheimtipp für Wanderer und Naturliebhaber. Der Archipel blieb vom Massentourismus verschont und fasziniert mit intakter Natur in einer von Kratern und Vulkanen geprägten Landschaft.

Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte eine halbe Stunde», rät ein azorisches Sprichwort treffend. Das Inselwetter wechselt blitzschnell. Sonne, Wolken und Regen lösen einander ab, oft am selben Tag. Dafür sind die Temperaturen ganzjährig mild, die Insel grünt.

Ihren vulkanischen Ursprung verraten die Azoren auf Schritt und Tritt. Der Vulkan Capelinhos liess bei seinem Ausbruch von 1957 bis 1958 die Insel Faial um 2,4 Quadratkilometer wachsen. Auf São Miguel, der grössten Azoren-Insel, imponiert die Caldeira das Sete Cidades, der eindrucksvollste Einsturzkrater des Archipels. Berühmt sind seine Seen. Der blaue Lagoa Azul und der grüne Lagoa Verde sind zwar verbunden, erscheinen aber in unterschiedlicher Farbe.

Von der anhaltenden Vulkanaktivität zeugen die heissen Quellen auf São Miguel. Manche sind bis zu 100 Grad heiss, andere erreichen Badetemperatur. Aus Furnas stammt eine vulkangekochte Spezialität: Der Cozido, ein Eintopf aus Fleisch, Wurst und Gemüse, kocht nicht auf dem Herd, sondern gart für mehrere Stunden in heissen Erdlöchern im Schwefeldampf.

Auf den fruchtbaren, vulkanischen Böden der Azoren gedeiht zu jeder Jahreszeit eine grüne Vegetation. Im Sommer setzen Tausende von Hortensien blaue Farbtupfer ins Naturgemälde – besonders eindrücklich auf Faial. Faials Hauptstadt Horta ist ein beliebter Seglertreffpunkt. Von hier aus erspäht man bei gutem Wetter den Vulkan Pico. Der höchste Berg Portugals gab der zweitgrössten Azoren-Insel den Namen. Von der einst berüchtigten Walfängerinsel brechen die Boote heute nur noch zu Wal- und Delfinbeobachtungstouren auf – ein Höhepunkt jeder Azoren-Reise.

Es grünt so grün, wenn Madeiras Blüten blühn

Lorbeerwälder, schroffe Küsten, grüne Berghänge, stolze Wasserfälle: Auf Madeira inszeniert die Natur ein prächtiges Schauspiel. Karge Vulkanlandschaften kontrastieren mit tropischer Blumenpracht. Die

Portugiesen sprechen von der schönsten Insel der Welt.

Madeira fasziniert mit Gegensätzen – Hauptattraktion bleiben die Blumen. Das Eiland ist ein wahrer Schmelztiegel der Pflanzenarten: Gewächse aus allen fünf Kontinenten, darunter Orchideen, Hortensien und Strelitzien, fanden auf der «Blumeninsel» eine neue Heimat. Ein pflanzlicher Ureinwohner Madeiras, der Lorbeerwald, steht seit 1999 auf der UNESCO-Welterbeliste. Reizvoll ist das Wandern durch den ursprünglichen Wald entlang der Levadas. Diese schmalen Wasserläufe konstruierten die Madeirer, um trockene Gebiete mit Wasser aus feuchteren Regionen zu versorgen. Tunnel und pittoreske Wasserfälle spicken den Weg.

Dem ganzjährig milden Klima verdankt Madeira den Spitznamen «Insel des ewigen Frühlings». Die

Temperaturen schwanken zwischen 19 und 26 Grad und machen Madeira zur Ganzjahres-Destination. In die schönsten Ecken verschlägt es Inselhungrige während der Vögele Erlebniswoche. Schauen und Staunen lautet das Motto etwa beim Ausflug zum Cabo Girão, einer der höchsten Steilklippen Europas. Erfrischend ist der Halt in Porto Moniz: Von erstarrter Lava geformte Naturschwimmbecken laden zum Baden ein – gut geschützt vor der tosenden Brandung.

Obwohl die Natur unbestrittene Hauptdarstellerin ist, haben auch die Städte und Dörfer Madeiras ihren Reiz – zum Beispiel die Hauptstadt Funchal. Geschäftiges Treiben herrscht im Mercado dos Lavradores, dem Bauernmarkt. Hier gibt es zu kaufen, was die Insel erzeugt. Eine Seilbahn verbindet Funchal und den höher gelegenen Wallfahrtsort Monte. Von dort aus geht es auf Kufen – aber ohne Schnee – mit den berühmten Korbschlitten zurück ins Tal. Abends locken entlang der ältesten Strasse Funchals, der Rua de Santa Maria, zahlreiche kleine Restaurants mit Fischspezialitäten, wie dem Espada com banana, einer Marriage aus Degenfisch und Banane. Ebenfalls köstlich: ein Gläschen guter Madeirawein.

Auszug aus dem Boardmagazin „Unterwegs“ (02/2015)

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