Alle schwärmen von Georgien

Jahrtausendealte Kultur, Kirchen und orthodoxe Klöster, traditioneller Weinbau und spiegelglatte Seen, uralte Bergdörfer und aufstrebende Metropolen: Das märchenhaft schöne Land zwischen Schwarzem Meer und den Hochgebirgsgipfeln des Kaukasus ist mehr als eine Reise wert.

VON KARIN BREYER

Eine Reise nach Georgien beginnt in Tiflis. Die Botschaft am Flughafen ist eindeutig: «Tbilissi – The city that loves you.» Eine Sympathiebekundung, die man sofort zurückgeben kann. Die elegante Hauptstadt Georgiens mit mehr als 1500 Jahren Geschichte (und leider auch unzähligen Zerstörungen) ist Liebe auf den ersten Blick. In der Altstadt finden sich Kirchen, Moscheen, Synagogen, Tempel auf engstem Raum. Ein Paradies für Fotografen sind die zahllosen verwinkelten Gassen mit prächtigen Jugendstilbauten im Originalzustand, kunstvollen Balkonen und Balustraden. Dann wiederum erspäht man perfekt renovierte Fassaden und ein paar hypermoderne Bauten, etwa die geschwungene extravagante Friedensbrücke. Imposant ist der Gang durchs prunkvolle Bäderviertel mit den heissen Schwefelquellen – als Ausdruck von Luxus und Lebensstil, erlangten sie schon früh grosse Berühmtheit. Sie waren auch Namensgeber für die Metropole: Tbilissi bedeutet «warme Quelle».

"Auf Schritt und Tritt entzücke ich vor Faszination."
Alexander Dumas, frz. Schriftsteller, bei seinem Besuch in Tiflis, 1858

Staunend unterwegs

Zehn Tage sollte man schon einplanen, um einzutauchen in die Natur- und Kulturschätze, die das rund 70 000 Quadratkilometer grosse Georgien birgt. Georgien und Wein, zwei Worte, die untrennbar verbunden sind. Bereits vor 8000 Jahren(!) wurden hier Reben kultiviert – die Wiege georgischer Weinkultur ist das sonnige Kachetien im Osten, wo jeder Bauer ein Winzer ist und eigenen Landwein keltert. Der wird dann in tönernen Erdkrügen, den «Kwewri», oft jahrzehntelang im Weinkeller gelagert – eine Methode, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Sicher unvergesslich bleibt eine Weinprobe bei einem Winzer, wird hier doch, neben dem köstlichen Wein, unmittelbar die vielgelobte Gastfreundschaft spürbar. Ein georgisches Sprichwort besagt: «Der Gast ist ein Geschenk Gottes.» Wie wahr! Und so wird typischerweise immer an reich gedeckten Tafeln gespeist. Eine Spezialität: die Khinkali, diese feinen, gefalteten Teigtaschen mit Hackfleischfüllung.

Wichtigstes Zentrum im Weingebiet ist das mittelalterliche Sighnaghi mit den gewundenen Gassen, bilderbuchschön gelegen, mit unverstelltem Blick auf das weite Alasanital und den schneebedeckten Grossen Kaukasus. Übrigens gilt das Städtchen als «die» Hochzeitsstadt, teils ist das Standesamt rund um die Uhr geöffnet.

Ein weiterer Höhepunkt ist die gigantische Höhlenstadt Wardsia mit den wertvollen mittelalterlichen Fresken nahe der türkischen Grenze. So spektakulär, so einzigartig reihen sich zahlreiche Höhlen nebeneinander, einst soll es 2000 Säle und Kammern gegeben haben …

500 Meter hohe Felsen ragen empor, eingebettet in fantastische Natur. Nicht minder spektakulär und historisch bedeutsam ist die Festung Rabath. Traumhaft, der Weg dorthin von Wardsia durch die gewaltige Berglandschaft des Kleinen Kaukasus: Mitten in Achalziche, an einen Hang geklebt, direkt am Fluss, liegt die wuchtige Festungsstadt, die ein Zeichen der Toleranz setzt: Juden, Armenier, Christen, Orthodoxe, Katholiken und Muslime haben ihre eigenen Gotteshäuser. Fährt man weiter gegen Norden, ist Kutaissi ein reizender Zwischenstopp, besonders sehenswert: die Muttergotteskirche Bagrati (10./11. Jahrhundert), UNESCO-Weltkulturerbe und einst das kühnste georgische Bauwerk.

Swanetien – die Krone des Kaukasus

In aller Pracht und Schönheit entfaltet sich das versteckt gelegene Hochtal vor dem Panorama gewaltiger Gletscher, dazwischen uralte Bergdörfer mit winzigen Kirchlein samt herrlicher Fresken. Mit ihren Fünftausender-Gipfelriesen vergleichen sich die Georgier auch gerne mit der Schweiz. Hierher zu reisen, heisst (archaische) Kultur entdecken, Natur pur erleben. Mestia, malerisch im Flusstal gelegen, ist Hauptstadt Swanetiens und Topausgangspunkt für Wanderungen in die atemberaubende Bergwelt des Kaukasus. Besonders beliebt ist die Dreitageswanderung ins völlig abgeschiedene Ushguli, eine Gemeinschaft aus vier Dörfern. Zur höchsten Ansiedlung Europas, 2100 m ü. M., kann man auch auf abenteuerlichem Weg hinfahren, die alten Steinhäuser mit den berühmten Wehrtürmen bestaunen, im Banne des Schara, mit 5200 Metern der höchste Berg Georgiens.

Batumi, das Las Vegas an der Schwarzmeerküste

Diese quirlige, ca. 150 000 Einwohner zählende Metropole darf auf keiner Georgienreise fehlen. Da ist die kleine sympathische Altstadt, die es zu erobern gilt; die Strandpromenade lädt zum Flanieren; zahlreiche Cafés und Restaurants locken zum Draussen sitzen. Die Architektur ist ein Mix aus Sowjet-Charme, modernen Gebäuden und historischen Fassaden. Mit Anbruch der Dunkelheit wandelt sich das Stadtbild, es glitzert überall, Fontänen und Palmen leuchten, kurzum: das Nachtleben funkelt. Batumi ist eine rundum interessante Stadt. Mit vielen wundervollen Erinnerungen im Gepäck, kann man hier die Heimreise antreten.

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Der obige Bericht stammt aus dem 50plus Magazin, Ausgabe 11. April 2019. Das Magazin können Sie hier abonnieren.

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