Zwischen Abend- und Morgenland

Armenien und Georgien – zwei Länder mit reichem Kulturerbe, bewegter Geschichte und einer starken Verbundenheit zu Traditionen, der Familie und dem Glauben. Auch die grandiosen Landschaften werde ich nie vergessen.

Die an der äussersten Flanke Europas in eine majestätische Bergwelt eingebetteten Länder lerne ich auf einer Studienreise kennen. Denn nebst der Georgien-Rundreise bieten wir eine Länderkombination an, die auch die Höhepunkte Armeniens einschliesst. Die beiden urchristlichen Länder liegen im Kaukasus und somit quasi auf der Schwelle zwischen Okzident und Orient, an der geografischen, politischen und wohl auch kulturellen Grenze zwischen Europa und Asien, zwischen Christentum und Islam. Überdies waren die Kaukasus-Republiken bis 1991 Teil der Sowjetunion. Zahlreiche Gegebenheiten, die hochinteressante Reiseerlebnisse versprechen. Heute ist sowohl in Armenien als auch in Georgien ein wirtschaftlicher Aufschwung festzustellen; auch der Tourismus erhält immer mehr Auftrieb.

Weltkulturerbe vor imposanten Kulissen

Besonders begeistert mich die Identifizierung der Bevölkerung mit ihrer Geschichte. Ebenfalls eindrucksvoll: Die unzähligen Klöster und Kirchen, die oft an betörend schönen Orten erbaut worden sind. Viele dieser architektonischen Kleinode gehören zu den Kulturschätzen der UNESCO. Mit sechs an der Zahl wartet diese Rundreise auf. Es überrascht mich positiv, dass diverse Klöster noch «Leben in sich tragen». Dies hat seinen Grund: Die Armenier und Georgier sind tief im Glauben verwurzelt. So höre ich in lebhaften Erzählungen unserer passionierten armenischen Reiseleiterin denn auch immer wieder vom Berg Ararat. Dieser ist den armenischen Christen heilig, da sie ihn mit der biblischen Geschichte der Arche Noah in Verbindung bringen. Spektakulär ragt der über 5000 Meter hohe Vulkankegel im Hintergrund des eh schon fotogenen Chor-Virap-Klosters in die Höhe.

Älter als Rom: Armeniens Hauptstadt

Nebst dem traditionellen Gesicht Armeniens lernen wir in der westlich beeinflussten Hauptstadt Jerewan auch die modernen Seiten des Landes kennen. Doch auch die sowjetische Vergangenheit ist nach wie vor präsent – beispielsweise beim Anblick der heroischen Statue Mutter Armenien. Jerewan, wo man an jeder Ecke über vergangene Jahrhunderte und Jahrtausende stolpert, ist eine der ältesten Städte der Welt und bildet den Auftakt unserer Rundreise. 2018 feierte sie ihren 2800. Geburtstag! Nach einer Fülle von Kulturerlebnissen bietet die abwechslungsreiche Fahrt über den Selim-Pass bis ins nördlich gelegene Dilidschan traumhafte Landschaften mit bewaldeten Bergen und orange leuchtenden Canyons. Krönender Abschluss des Tages bildete der Sewansee – die blaue Perle Armeniens.

Tiflis fliegen die Herzen nur so zu

In der Mitte der Rundreise überqueren wir die Grenze zum Nachbarland Georgien. Als wir in der Hauptstadt ankommen, sind wir von Tiflis allesamt gleich begeistert. Die Metropole vereint Tradition und Moderne, grüne Flecken und pittoreske Bauten sehr gelungen. Etliche Cafés laden zum Verweilen ein und die futuristisch anmutende Friedensbrücke bietet einen starken Kontrast zu den ruhigen Hinterhöfen mit ihren hölzernen Balkonen. Aber Georgien hat natürlich noch weit mehr zu bieten: Genau so beindrucken mich die alpinen Landschaften um Kazbegi. Und unweit von der Stadt thront die eindrückliche Gergeti-Dreifaltigkeitskirche – auf über 2000 Meter Höhe. Ein atemberaubendes Fotomotiv! Georgien verzaubert aber auch mit ganz lieblichen Gegenden wie das Weinanbaugebiet Kachetien oder Landschaften, die an die Toskana erinnern.

Was mich besonders fasziniert hat

Rückblickend stellte für mich das Essen im Zuhause eines georgischen Gastgebers ganz klar einen der Höhepunkte dar. Beim Blick auf den reich gedeckten Tisch wusste man gar nicht, wo beginnen. Es lockten frisches Brot, selbstgekelterter Wein, Käsekuchen (typisch georgisch), verschiedenes Gemüse und vieles mehr. Und später wurde dann auch noch Fleisch serviert: Schaschlik – am Spiess gebratenes Schweinefleisch. Musikalisch bereichert wurde unsere fröhliche Runde von vier Sängern, die uns mit ihren vollen Stimmen ihre Kultur näherbrachten. Die wohl grösste Besonderheit bei einem georgischen Festmahl ist der Tamada: der Tischmeister. Dieser lenkt das Geschehen und bringt in einer wohldurchdachten Reihenfolge wiederholt Trinksprüche aus – mal geistreich, mal witzig. So erhoben wir das Glas erst auf die Familie unseres Gastgebers, danach folgten Trinksprüche auf die weiblichen Gäste, die männlichen Reiseteilnehmer und viele mehr. Ein Brauch, der immer auch die grosse Heimatliebe der Georgier zum Ausdruck bringt. Denn was wäre eine georgische Tafelrunde ohne Trinkspruch auf Georgien!

Ich durfte nach meiner Studienreise viele unvergessliche Eindrücke mit nach Hause nehmen. Armenien und Georgien sind nicht weiter entfernt als die Kanarischen Inseln und verzaubern dennoch mit einer vollkommen unterschiedlichen Kultur. Auch die Gegensätze zwischen den ländlichen Regionen und den grossen Städten faszinierten mich sehr. Von Herzen wünsche ich den gastfreundlichen Menschen eine blühende Zukunft und dass ihnen nie die Freude an ihren Traditionen abhandenkommt.

Weiterempfehlen: