Ostern – ein Fest, eine Vielzahl von Bräuchen

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Doch was haben bunte Eier und Schoggihasen damit zu tun? Auch der Ursprung ausländischer Bräuche lässt sich oft nicht auf Anhieb erraten. Oder wissen Sie, wieso Brasilianer Strohpuppen verprügeln?

Andere Länder, andere Sitten: Selten erweist sich die Redewendung so zutreffend wie an Ostern. Einige österliche Traditionen aus dem Ausland muten gar etwas wunderlich an. Doch auch unsere kommen manchem spanisch vor. Denn was haben gekochte, gefärbte Eier und Meister Lampe mit Ostern zu tun? Und warum versteckt er sie auch noch? Schon im Mittelalter kochten Christen vor Ostern Eier – aus zweckmässigen Gründen. So wurden sie länger haltbar gemacht, da während der Fastenzeit keine Eier auf den Teller kamen. Und wieso bunt? Ganz einfach: um sie von den rohen zu unterscheiden. Ausserdem gilt sowohl das Ei als auch der Hase als Symbol für Fruchtbarkeit und neues Leben. Im Gegensatz zum Eierfärben soll das Eierverstecken heidnischen Ursprungs sein. Der am weitesten verbreiteten Theorie nach waren die Eier ursprünglich zu Ehren der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin verschenkt worden. Ein Ritual, das die Kirche aber verbot. So wurden sie fortan versteckt.


09. April 2020


Beuteltiere aus Schoggi, Mini-Gräber für Fische

Den Osterhasen kennt hierzulande jedes Kind – nicht so in Australien. Denn aufs Langohr sind «Aussies» nicht gut zu sprechen. Die aus Europa eingeführten Hasen haben sich in Down Under nämlich zu einer Plage entwickelt und gefährden den Fortbestand einheimischer Tiere. So trat der Bilby, ein australisches Beuteltier in die Fussstapfen des Osterhasen. Mit diesem gemeinsam hat der mit dem Känguru verwandte Hüpfer die langen Ohren und es gibt ihn auch als Schoggi-Version. Ein Teil des Verkaufserlöses fliesst in Tierschutzprojekte für die Rettung bedrohter Arten wie den Bilby. Auch in Irland ist ein Tier der Protagonist eines Osterritus – der Hering. Dieser wird am Ostersonntag nach einer feierlichen Prozession auf einer Wiese beerdigt. Ein Grund zu trauern, gibt es aber nicht – im Gegenteil. Denn mit diesem Akt tragen die Teilnehmer quasi die Fastenzeit zu Grabe, in der statt Fleisch bloss Fisch gegessen werden durfte.



Erhöhte Verletzungsgefahr für Mensch und Puppe

Weniger skurril mag uns Schweizern eine bulgarische Ostertradition vorkommen – auch wenn die Bulgaren rabiater mit Ostereiern umgehen. Daher sollten Hasenfüsse nach der Ostermesse reissausnehmen. Dann besteht erhöhte Gefahr für Kopfverletzungen. Schuld daran sind die vor der Kirche stattfinden Eierschlachten. Denn dabei werden mit gekochten Eiern Familienmitglieder beworfen. Wessen Ei dabei unbeschädigt bleibt, dem soll ein erfolgreiches Jahr beschieden sein. Genauso unzimperlich verhalten sich am Karsamstag die Brasilianer, die draussen aufgehängte oder aufgestellte Strohpuppen verprügeln. Was nach einem kollektiven Anti-Aggressionstraining aussieht, ist doch tatsächlich auch ein Osterbrauch. Doch wie bringt man eine Tracht Prügel und Ostern auf einen gemeinsamen Nenner? «Hau’ den Judas» lautet die Kurzversion der Erklärung. Etwas weniger plakativ formuliert: Jesus wurde vor seiner Kreuzigung durch einen seiner Jünger verraten: Judas. Daher muss er nun als Sündenbock herhalten, auf den jeder Passant ungeniert einprügeln darf.

Fremde Brauchtümer zu erleben, bereichert eine jede Reise – keine Frage. Eintauschen wollen sie aber die wenigsten Schweizer: Viel zu gut sind unsere Schoggihasen.

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