Von Kopf bis Fuss: Böse Körperteile (Folge 1)

Wie man sich rund um den Globus daneben benimmt: Françoise Hauser, Journalistin, Autorin und Trainerin für interkulturelle Themen sammelt Fettnäpfchen aus aller Welt. Lesen Sie hier Auszüge aus ihrem Buch – quasi als Prophylaxe für Ihre nächste Reise oder einfach zum Schmunzeln.

Mittags um zwölf im Restaurant: Der Mann am Nachbartisch sucht den Salzstreuer? Der ist schnell herübergereicht, so ein Problem löst man doch mit links! Dumm ist, wenn man dies im arabischen Raum wortwörtlich tut. Die linke Hand gilt hier als unrein, und mag man den Erklärungen für diese Regel glauben, dann ist sie es tatsächlich: Mit ihr wischt man sich im Orient und in Indien auf dem Klo den Hintern ab. Ob und wie viele Menschen dies wirklich noch praktizieren und in wie vielen Fällen nach dem Toilettengang eine ordentliche Seife zur Verfügung steht, gehört zu den Hintergrundinformationen, die man eher nicht erfährt und eigentlich auch gar nicht wissen will.

Auf jeden Fall steigt man in Europa mit einer anständigen linken Hand in den Flieger und verlässt ihn im Nahen Osten mit eingebautem Klopapier wieder. Quasi. Leider vergessen wir Westler das immer wieder. Doch auch all jenen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und daher bereits wissen, wie es generell um die Linke bestellt ist, stellt sich die Frage: Was darf man denn nun genau mit der Linken erledigen und was nicht? Darf man die Tür damit öffnen? Oder einen Stift reichen? Sich selbst damit über das verschwitzte Gesicht streichen? Oder hängt sie fortan nutzlos an der linken Seite des Körpers herum, bis man sie wieder gen Westen trägt? Und bedeutet das gleichzeitig, dass die Rechte immer sauber ist?

Mit den verschiedenen Köperteilen ist es ein echtes Kreuz im Ausland. Denn welche Extremität wo als unrein oder unfein gilt ist regional höchst unterschiedlich. In Thailand beispielsweise gehören Füße zu den Pfui-Regionen: Wer sich im Tempel bequem am Boden niederlässt und die qualmenden Mauken gen Buddha von sich streckt, riskiert einen scharfen Rüffel oder sogar einen Rausschmiss. Wie kann man nur! Der Anblick der Fußsohlen ist hier eine echte Zumutung – für Mensch und göttliche Wesen gleichermaßen. Übrigens auch, wenn diese gewaschen sind. Das Fuß-Tabu geht so weit, dass man es sich unbedingt verkneifen sollte, einen davonflatternden Geldschein mit einem schnellen Fußtritt aufzuhalten. Denn (Achtung, Gelegenheit zum Doppelfettnapf!) mit einem kleinen Schritt kommt man so nicht nur den 20 Baht näher, sondern eventuell auch dem Knast: Dummerweise ist auf sämtlichen Geldscheinen der König abgebildet, und ihn mit Füßen zu treten kommt einer Majestätsbeleidigung gleich. Dass diese unter Strafe steht (und zwar nicht zu knapp) vergessen Ausländer gerne – vor allem mit steigendem Alkoholkonsum.

Mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Füßen stehen die Thailänder im Übrigen nicht alleine da. Auch im Orient ist der Anblick der Fuß- oder Schuhsohlen ein echter Affront. Wie oft wir Westler sie herzeigen, ist uns meist gar nicht bewusst – zum Beispiel im bequemen Sitz, wenn ein Bein angewinkelt auf dem Knie liegt. Auch überschlagene Beine sollen angeblich das Risiko bergen, dem Gegenüber die Sohlen zu präsentieren. Sicher ist: An diesem Fauxpas ist schon manch ein Geschäft gescheitert. Für den Orient bleibt von allen Gliedmaßen damit nunmehr die rechte Hand als vollständig anständiges Körperteil übrig – alles in allem also ein Dreiviertelausfall! Weniger als rituell anstößig, sondern vielmehr als zu freizügig gilt das Zeigen des nackten Beins in Indien. Während man als Frau die Fettpocke ganz ungeniert über den Rockbund des Saris quellen lassen darf, werden viele indische Männer kribbelig, wenn man im kleinen Schwarzen zum Geschäftstermin erscheint: MIT NACKTEN BEINEN! Rasiert oder nicht, das kann nur eine Einladung für ein kleines Tête-à-Tête sein, oder? Zumal westlichen Frauen ohnehin ein sehr freizügiger Ruf vorwegeilt.

Kolossal unangenehm auffallen kann man auch mit der bei uns üblichen Sitte, kleinen Kindern über den Kopf zu streicheln. «Was für ein süßer Wonneproppen», gurrt der deutsche Tourist und tätschelt sich damit direkt ins soziale Aus. Den Kopf eines anderen zu berühren, stellt sich für Thailänder in etwa so dar, als würde man dem Nachbarn im Biergarten mal eben im Bauchnabel pulen. Eigentlich sogar noch schlimmer, denn der Kopf ist der Sitz der Seele, und die möchte man sich nun wirklich nicht von jedem befingern lassen. Apropos Finger: Die sind auch nicht immer erwünscht. So ist es in Ost- und Südostasien sehr unhöflich direkt mit dem Finger auf einen Menschen zu zeigen. Ersatzweise mit dem Fuß auf jemanden zu deuten, ist jedoch (Sie ahnen es schon) eine ganz schlechte Alternative. Im Grunde könnte man sich mit ein bisschen Mühe in Thailand von Kopf bis Fuß ins Fettnäpfchen legen.


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